Hier entsteht immer wieder Neues zu den Themen Zuversicht in Poesie!


 

19.11.2019

Katamaran

Katamaran.jpgDer letzte Urlaubstag beginnt. Ich fühle Trennungsschmerz, diese Insel und die schöne Zeit hinter mir zu lassen, besonders wenn ich daran denke was mich zu Hause erwartet. Ja, was außer Tristesse, Rumtrödelei, Leblosigkeit, Alleinsein? In mir war der Wunsch nach Liebe in Partnerschaft, gemeinsame Beschäftigung, gebraucht werden.
Transport mit einem Klein Bus nach Morro Jable zum Hafen. Mit der Fahrt auf einem Katarmaran geht es los. Sieben Personen sind wir. Ein tolles Schiff mit einer freudlichen Crew. Der Empfang ist herzlich, ich fühle mich gut angesprochen. Zwanglos und unkompliziert erfolgt die Vorstellung. Die Fahrt geht aufs Meer hinaus. Ich setze mich neben den Kapitän auf das Außendeck denn ich war schon überall auf dem Schiff und habe gefilmt und Fotografiert. So sitze ich bequem neben ihm. Nach etwa einer halben Stunde erfolgt ein Funkspruch von einem anderen Schiff. Der Kapitän spricht kein Deutsch, er erklärt mir mit Händen und Füßen, teils englischen Wörtern, ich verstehe nur “….Delphine….,” schaue nach vorne, beobachte das Wasser, er verständigt die Crew. Diese informiert die anderen Passagiere. es kommt Bewegung in alle, Unruhe, Betriebsamkeit. Sie stürmen aus dem Passagierdeck an der seitlichen Reling entlang zum Bug des Schiffes.
“Delphine” voraus!” erklingt es von allen.
Die Meldung kam von den Fischern. Sie sind in der Nähe und haben ihre Angeln aus dem Wasser genommen. Volle Fahrt voraus! Da sind sie plötzlich, schwimmen mit Leichtigkeit und Eleganz im Kielwasser des Katamarans. Eine große Delphinfamilie. Das Boot stoppt. Ich setze mich auf den Bootsrand ganz vorne, neben eine Frau, lache und schaue, nehme gar nicht wahr, dass ich glücklich bin, genieße den Augenblick mit den Delphinen. Mühelos durchplügen sie das Wasser, kaum eine Bewegung ihrer Muskeln ist zu erkennen. Elegant, ja verspielt, springen sie hoch. Ich staune und empfinde eine unbändige Freude in mir, ich frage mich: “Ist diese auch in diesen wundervollen Tieren?” Puh, sie versuchen sich zu übertrumpfen im Springen oder auf der Schwanzflosse im Wasser zu stehen. Wow, dies sieht mühelos aus. Ich möchte gar nicht mehr weiterfahren, am liebsten reinspringen, über die Reling zu ihnen. Noch heute frage ich mich: “Warum habe ich das einfach nicht gemacht?” Möchte gerne hierbleiben denn was habe ich sonnst in meinem Leben.
Doch wie bei allem beginnt die Rückreise, Zwischenstopp mit der Möglichkeit ins Meer zu steigen und ein paar Runden zu schwimmen, wird gut angenommen. Ich schwimme los und kleine Fische begleiten mich, zupfen an den Beinen an meiner Haut. Das Schwimmen ist wunderschön, mit kräftigen Stößen durchplüge ich das Meer. Ich fühle mich pudelwohl, empfinde einen Glücksschauer nach dem anderen. Dies hatte ich schon lange nicht mehr. Später setze ich mich wieder neben den Kapitän und genieße die Aussicht auf das Meer. Eine Passagierin setzt sich neben mich. Verträumt schaut sie aufs Wasser und seufzt tief durch.
“Ja, ich empfinde ebenso!”
Nach einiger Zeit geht sie zurück zum Passagierraum dort sitzt ihr Mann und redet mit einer anderen Frau. Dieses Gespräch wird bestimmt von Anspielungen in einer Art und Weise, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Sie schaut eine Weile zu, ich sehe wie ihr die Tränen laufen. In diesem Moment sieht sie zu mir, bemerkt, dass ich sie ansehe. Sie dreht ihr Gesicht und wischt die Tränen weg. Ich frage mich selbst: “Was gibt es Ähnliches bei mir? Was berührt mich selbst, was ich bei dieser Frau erkennen kann? In mir dämmert es, ich könnte schluchzen vor Schmerz und Traurigkeit. Mir geht es ebenso wie dieser Frau.”
Nachdenklich, dreht sie sich um. Geht in die Ecke des Raums. Verbringt dort die Zeit bis wir im Hafen ankommen. Am Bootssteg verabschiede ich mich mit einem Trinkgeld von der Crew, gehe über den Steg an Land, besteige den Bus wie alle anderen. Die Fahrt verläuft für mich schweigsam, hänge meinen Gedanken nach. Die Frau reicht mir ihre Hand zum Abschied und sieht mich lange an, bis ihr Mann dazwischen platzt. Ich wünsche den Beiden alles erdenklich Gute. Im Hotel packe ich für den Rückflug meinen Koffer, gehe ein letztes Mal Abendessen, bei dem ich noch in Gedanken bei der Katamaran-Fahrt bin. früh heißt es ins Bett gehen, am Morgen aufstehen, zeitig Früchstück, die Rückreise beginnt gegen 09:30 Uhr. Mit einem Klein-Bus geht es zum Fluhafen. Ich nehme Abschied von Fuerteventura.
Der Flughafen neben dem Ort Puerto del Rosario. Warten auf den Rückflug dann zurück mit der Fluglinie. Schweigsam und in Gedanken an Fuerteventura sitze ich im Flugzeug.
Was kommt jetzt, wenn ich daheim bin?
“Wie geht es jetzt weiter für mich? Verbringe ich meine Tage wie bisher, so leer, orientierungslos, lieblos?”
In mir ist Stille!
Ich horche in mich doch es bleibt alles still!
Ankunft Flughafen, weiter mit dem Bus zur Wohnung sind es zwei Stunden. Empfang von einer leeren Wohnung. Fuerteventura  klingt noch in mir. Erst mal Koffer auspacken, Wäsche in Waschmaschine und ins Bett. Schlafen.
Aufwachen, willkommen im Alltag. Nichts hat sich hier geändert. Alles beim alten! Überlege den Tag zu gestalten. Wäsche, Einkaufen und…., ja und dann?
Der Tag endet mit Bügeln. Keine Veränderung, weder Ort noch Wohnung aber in mir selbst da drängt es. Aber was?
Am Abend den 07.12.2018 läuft die Erinnerung in mir ab, die Frau mit den Bildern vom Vulkan. Das Versprechen, Bilder auszutauschen, klingt in mir. Auch an die Reisegruppe denke ich. Also sende ich Bilder von der Wandergruppe an das junge Paar und die Frau. Ich sehe mich und meine Hände hantieren, als Beobachter, als würde ich neben mir stehen, bei dem ganzen Tun.
Zuerst meldet sich das Paar, sendet Bilder zurück und bedankt sich bei mir. Dann die Dame.
Sie meldet sich mit Henriette und bedankt sich mit liebevollen Worten. Diese Worte fließen mir ins Herz, tun mir gut. Ich fühle mich glücklich! Bilder gehen hin und her so auch Worte, ganze Sätze und Smileys…..

Ferdinand Lieblich - 20:09:14 @ Am Ende sind wir alle nackt | Kommentar hinzufügen