Hier entsteht immer wieder Neues zu den Themen Zuversicht in Poesie!


 

15.01.2020

Nachrichten

DSCN1604.jpgWie verwundert bin ich als eine weitere Nachricht auf meinem Handy auftaucht. Und zwar von der zuvor gelöschten Nummer?!
“Was machst du heute?”
“Ich dekoriere meine Wohnung.” Fotos begleiten meine Worte auf dem unsichtbaren Weg zum Empfänger.
“Das ist wunderschön.”
“Aber sicher nichts zum Sonnenschein, der dich auf der Insel noch einige Tage erfreuen wird.”
“Ich würde jetzt gerne tauschen…”
Äääääähmmmmm…” Mir fehlen die Worte. Ich zögere, überlege, zögere. Dann antworte ich. “Kann es sein, dass du mehr im Sinn hast?”
Als Antwort erreicht mich ein über das gesamte Gesicht strahlender Smiley.
Ich suche nach Worten, suche nach einer Lösung, suche nach der Wahrheit. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf sende ich dem Herrn hinter Sonnenbrille und Cappy eine Nachricht, verwende meine Worte mit Bedacht. Kann man einen Menschen vor Verletzungen schützen? Wie gerne würde ich es. Manchmal schmerzt jedoch allein die Wahrheit.
Auf Fuerte hatte ich einen jungen Mann kennengelernt. Als wir uns begrüßten erzeugte die Berührung unserer Hände einen Knall in meinem Herzen. Ich wusste nicht was mir geschieht und wie ich damit umgehen sollte. Tobias nahm alles ziemlich gelassen und ging auf mich zu, suchte während der geführten Wanderung immer wieder meine Nähe und das Gespräch. Sein Interesse an der traumhaften Landschaft und an mir blieb mir nicht verborgen, jedoch zogen Zweifel in mir auf, war er doch im gleichen Alter wie meine Kinder. Wenig später fragte ich mich: “Warum eigentlich nicht? Ich bin frei wie ein Vogel. Was habe ich zu verlieren?” Und so ließ ich mich ein auf dieses Abenteuer, ließ mich ein auf seine Jugendlichkeit, auf seine Spontanität, auf die tiefer reichenden Gespräche, die er immer wieder anstieß, und auf seine Zärtlichkeit.
Aus diesem Grund suchte ich nach Worten für Ferdinand, suchte nach Worten, um ihn so wenig wie möglich zu verletzen. Und doch war er auch in mir, der Schmerz.

                                                                                       ***

An einem der nächsten Tage gehe ich durch die Stadt, winke hier einer Verkäuferin durch das Schaufenster zu, dort einer Kellnerin und betrete den Friseur meines Vertrauens. Während Beate mir die Haare schneidet, möchte sie alles über die Reise wissen.
Am Ende meines Berichts bleibt noch eine Frage: “Hast du dir was mitgebracht?” Ich ahne worauf sie zielt. Immerhin ist das Strahlen aus meinem Gesicht bisher nicht gewichen.
“Ein Sommerkleid und ein Paar Ohrringe,” antworte ich.
Wieder Zuhause, zünde ich mir eine Kerze an, koche einen Kaffee und arrangiere Lebkuchen auf einem Teller. Über dem Esstisch leuchtet mein Weihnachtsstern als mich eine Nachricht von Ferdinand erreicht. Es sind Fotos von seinem Hotel, seinem Zimmer und wunderschönen Handtuchkreationen.
“Das ist sehr hübsch,” antworte ich ihm und lege erneut einen Kontakt in meinem Handy an.
Mein Mund ist voller Pfefferkuchen als es auf dem Tisch vibriert und läutet. Sofort schaue ich nach.
“Hallo Hermine, hast du am Wochenende Zeit? Dann würde ich gern zu dir kommen.” Lese ich Worte von Tobias.
“Ja, das passt. Ich habe noch nichts geplant. Herzliche Grüße.”
“Super, dann sehen wir uns am Freitagabend bei dir.”

Hermine - 12:34:16 @ Am Ende sind wir alle nackt | Kommentar hinzufügen