Lebendigkeit

 Hier veröffentlichen wir für Euch berührende Geschichten voller Lebendigkeit, Abenteuer, Hingabe und Liebe.

 Ihr könnt Eure Wertschätzung in Form von Kommentaren,Bestellungen oder einfach durch Überweisungen Ausdruck verleihen. Sämtliche Möglichkeiten findet Ihr auf unserer Seite.

 Vielen Dank an Euch für Euer Interesse und auch für Eure Gaben!

 Herzlichst Hermine und Reinhold

 

 


11.08.2021

Vergangenes

Einsamer Wanderer 4.jpg

„Möchten Sie bei uns übernachten?“ Diese Frage richtet sie an den Wanderer. Er schaut auf, schaut sie an, lächelt.
„Ja, sehr gern. Meine Beine sind ihnen unendlich dankbar dafür.“
„Ich hoffe nicht nur ihre Beine?“ Und schon zeigt sich wieder dieses Lächeln, das ihn einfängt.
Am nächsten Morgen ist er sehr früh wach. Leise geht er aus dem Zimmer und hinaus zur Bank vor dem Haus beim Jasmin. Dort sitzt bereits jemand. Als er herantritt sieht er sie in ihrem Morgenrock und nackten Füßen.
„Ich liebe den Tau. Er macht mich so friedlich, fast glücklich.“ Ihre Stimme ist noch nicht so frei und klar wie sie es am Tag zuvor war.
„Sind sie auch eine Frühaufsteherin?“
„Mal so, mal so. Es kommt darauf an wie das Gestern verlief.“
„Hat der gestrige Tag sie aufgewühlt?“
Sie schaut ihn an, als ob sie eine Frage stellen möchte und sich dann anders entscheidet. „Etwas schon.“
„Was hat sie so aus der Ruhe herausgetragen?“
„Bist du noch immer so unaufrichtig wie damals?“ Ihre Stimme klingt jetzt sehr klar, Entrüstung spricht aus ihr. Er schaut zu Boden, vergisst den Duft des Jasmins und auch ihren.
„Weißt du, ich habe dieses Wiedersehen immer in meinen Gedanken durchgespielt. Und es fand anders statt. Ich hatte gehofft, dass du endlich deinen Mund aufmachst und reden kannst, dass du offener geworden bist, wenn ich dir wieder begegne. Alles das ist nicht eingetreten.“
Er schweigt, schaut hoch, dann in die Ferne bis zum Feldrand wo die Bäume stehen.
„Ich wusste nicht wie ich anfangen soll, ich wusste nicht wie ich es verhindern kann, dich zu verletzen.“
„Dann ist es dir ja hervorragend gelungen, deine Angst zu überwinden.“
„Das hast du mir vor vielen Jahren schon gesagt, dass ich meine Ängste endlich überwinden soll.“ Beide schweigen.
„Ich habe es nicht geschafft…..“
„Damals wie heute.“ Fügt sie hinzu.
„Andrea, lass uns endlich neu anfangen. Bitte.“
„Gut, dann sage ich dir jetzt, dass du eine Tochter hast.“
„Wo ist sie? Ichmöchte sie sehen.“
„Komm.“ Sie geht voran, barfuß und im Morgenmantel.

Hermine - 19:24:14 @ Einsamer Wanderer | Kommentar hinzufügen