Lebendigkeit

 Hier veröffentlichen wir für Euch berührende Geschichten voller Lebendigkeit, Abenteuer, Hingabe und Liebe.

 Ihr könnt Eure Wertschätzung in Form von Kommentaren,Bestellungen oder einfach durch Überweisungen Ausdruck verleihen. Sämtliche Möglichkeiten findet Ihr auf unserer Seite.

 Vielen Dank an Euch für Euer Interesse und auch für Eure Gaben!

 Herzlichst Hermine und Reinhold

 

 


02.09.2021

Leer gelaufen

Schutzengel.jpgEin Morgen wie jeder andere. Duschen, Kinder und Christian wecken, Frühstückstisch decken, Kaffee kochen, Milch für Alex, Tee für Pia und Saft für Florian bereiten. Brot, Brötchen, Müsli, Marmelade Butter, Obst und schon stürmt Christian herein. „Ich muss heute früher weg. Hatte ich ganz vergessen.“ Er nimmt einen Schluck Kaffee, schmiert sich eines der Brötchen, klappt beide Hälften zusammen und verlässt das Haus.
Paula schaut ihm zu und bringt kein Wort über die Lippen. Nur eine Frage hallt in ihr wider: „Wohin ist unsere Liebe geflüchtet?“ Sie hallt in der Leere, in dem Raum, den die Liebe einmal ausfüllte.
Auf dem Tisch sind sämtliche Spuren des Frühstücks noch erhalten. Paula sitzt mit aufgestützten Ellbogen, schaut über Krümel und halbvolle Tassen.
Sie geht hinüber in das ehemalige Stallgebäude, schreitet durch die Zimmer, gibt den Blumen etwas Wasser, richtet Gardinen und zieht Bettzipfel zurecht. Aus dem Zimmer mit der Nummer fünf tritt ein Ehepaar heraus. Wir wollten gerade zu Ihnen kommen.“
„Guten Morgen Familie Willhelm. Haben Sie einen speziellen Wunsch?“
„Ja, wir wollen in die Stadt gehen, können Sie uns ein kleines Café empfehlen für eine Pause?“
„Aber ja, sehr gern sogar. Gegenüber der Kirche befindet sich ein kleines Café mit dem Namen ‚Steffie’s Stübchen‘. Dort ist es wirklich sehr schön.“
„Vielen Dank! Bis später.“
„Tschüß.“
Paula geht in das Frühstückszimmer. Geschirr klappert und hastige Schritte ertönen.
„Guten Morgen Bea. Wie sieht es aus? Brauchen wir noch etwas? Ich fahre später einkaufen.“
„Guten Morgen Paula. Ich habe hier Notizen. Ist heute etwas mehr.“
„Und sonst? Ist bei Dir alles in Ordnung?“
„Ja, warum fragst Du?“
„Einfach aus Interesse.“
„Manchmal habe ich das Gefühl, Du kannst hellsehen. Echt.“
„Wie kommst Du auf sowas?“
„Na ja, oft, wenn Du mich fragst wie es mir geht, geht es mir eigentlich nicht so gut. Letztens hatte ich gerade erfahren, dass meine Mutter schwer krank ist und heute fühle ich mich wie in einen Sack gestopft und verprügelt.“
„Du hast gar nichts erzählt von Deiner Mutter. Wie geht es ihr jetzt?“
„Ach, ist eine lange Geschichte. Heute möchte ich darüber besser nicht reden.“
„Na dann, vielen Dank für die Notizen und bis morgen, ja?“
„Ja, bis morgen.“

Am Abend hat Paula das Gefühl, das Haus verlassen zu müssen. „Am liebsten möchte ich weglaufen. Ich weiß überhaupt nicht mehr wohin mit mir. Was soll das alles? Ich verstehe mich selbst nicht.“ Sie geht in Atelier, wo Christian bereits mit einem Buch in der Hand im Sessel sitzt.
„Ich fühle mich wie der Hase im Märchen ‚Hase und Igel‘.“
Christian hebt seinen Blick. „Was? Wie fühlst Du Dich?“
„Wie der Hase im Märchen.“
Christian zieht seine Stirn kraus und widmet sich wieder dem Buch.

Hermine - 15:18:30 @ Die Frau, die ihren Schutzengel umrannte | Kommentar hinzufügen

Kommentar hinzufügen

Die Felder Name und Kommentar sind Pflichtfelder.