Lebendigkeit

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 Herzlichst Hermine und Reinhold

 

 


09.12.2021

Wissen und Nichtwissen

CIMG1568 Ponferada Templerburg.jpg„Nein, ich möchte mit Dir hier leben, glaube ich. Aber ich kann es nicht mehr. Ich fühle mich, als ob es mich überhaupt nicht gibt. Wenn ich dann zu Bella fahren möchte, ziehst Du einen Flunsch. Aber ich brauche diese Zeit mit ihr, um mich selbst wieder wahrzunehmen.“
„Wieso weißt Du nicht, wer Du bist?“
Carla überlegt lange, dann antwortet sie sehr zaghaft: „Weil Du es mir nicht zeigst.“ Sie schaut Raphael an, sieht in seinem Gesicht, dass er sie nicht versteht. „So ganz verstehe ich das auch noch nicht…“
„… aber Du hast es doch gerade ausgesprochen???“
„Ja, ich weiß, meine Gedanken waren noch nicht so klar, wie meine Worte.“ Wieder hielt sie inne mit Blick aus dem Fenster ohne etwas zu sehen. „Ich kann mich nicht wahrnehmen, weil Du nicht Du selbst bist. Du bist nicht Raphael.“
„Waaas? Wer bin ich denn dann?“
„Jemand, der verzogen wurde, nicht mehr er selbst ist. Dein wahres Ich liegt verborgen hinter irgendwelchen aufgestapelten Vorstellungen. Du bist derjenige, den andere Menschen irgendwann in Dir sehen wollten. Oder, den Du selbst sehen wolltest. Aber den wahren Raphael kennt vermutlich niemand.“
Beide schweigen. Es ist so still in der Küche, dass das sanfte Wehen des Windes zuhören ist, obwohl die Fenster geschlossen sind.
„Weißt Du, wir reden viel zu wenig über uns und unsere Gefühle. Und am wenigsten reden wir darüber, was wir uns gegenseitig bedeuten. Das zerstört unsere Liebe, unsere Partnerschaft.“
Raphael schaut sie nun direkt an, schaut in ihre strahlend blauen Augen, betrachtet ihr braunes Haar mit seinem rötlichen Schimmer. Dann sagt er:
„Ich dachte Du weißt es.“
„Was soll ich wissen?“
„Was ich für Dich empfinde, was ich in Dir sehe.“
„Woher soll ich das wissen?“
„Ich dachte, dass Du es fühlst.“
Carla öffnet ihren Mund, bewegt ihre Lippen und ihre Zunge. Doch so recht weiß sie nicht, was sie sagen soll. „Ich verstehe Dich nicht, Raphael. Wie soll ich fühlen, was Du fühlst?“ Hilflos schüttelt sie ihren Kopf, streicht mit ihrer Hand eine Strähne aus ihrem Gesicht. „Wenn ich das fühlen würde, was Du fühlst, würde ich gar nicht existieren, dann gäbe es nur Dich in diesem Haus.“ Wieder entsteht eine längere Pause, in der sie den Rechner runterfahren lässt, von ihrem Bürostuhl aufsteht und sich zur Tür wendet. Sie hält die Tür bereits mit ihrer Hand, um sie weiter zu öffnen, dreht sich erneut zu ihrem Mann und sagt: „Und genauso fühle ich mich neben Dir, als ob ich nicht existiere.“
Carla verlässt das gemeinsame Arbeitszimmer, zieht ihre Regenjacke über den molligen Pullover, greift ihren kleinen Rucksack und verlässt das Haus.

Fortsetzung folgt….

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Herzlichst Hermine

Hermine - 13:59:10 @ Eine alte Welt zerfällt | Kommentar hinzufügen

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