Lebendigkeit

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 Herzlichst Hermine und Reinhold

 

 


15.12.2021

Einengung und Freiheit

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„Hallo Bella, oh, ich freue mich so Dich zu sehen.“ Die beiden Freundinnen umarmen sich und Carla hat das Gefühl sie nie wieder loslassen zu können.
„Na, meine Liebe? Dir geht es wohl nicht so gut, oder irre ich mich?“
„Nein, Du irrst Dich nicht. Aber lass uns erst in Dein Haus gehen. Ich glaub, dass ich einen Grog brauche. Zum Einen, weil ich durchgefroren bin und zum Anderen, um meine Zunge und meine Gedanken sortieren zu können.“
„Was dafür benötigst Du einen Grog? So kenne ich Dich ja gar nicht.“
Beide lachen herzlich, haken ihre Arme ineinander und Carla zieht ihren Koffer mit der rechten Hand hinter sich her. Der kalte Wind schneidet in ihr Gesicht bis die Wangen eine rote Farbe annehmen.
Vor der alten bemalten Haustür treten sie ihre Schuhe ab und hinein in die wohlig warme Diele.
Carla empfindet eine Freiheit, ein Wohlgefühl, wie sie es noch nie erlebt hat. „Ich brauche keinen Grog mehr, nehme ihn trotzdem gern.“
Bella runzelt ihre Stirn und schaut ihre Freundin erstaunt an. „Was ist mit Dir, Carla? Ich kenne Dich nicht so zerrissen, so schwankend.“
„Das scheint nur so, Bella. Ich bin ganz bei mir, bin ganz ich selbst, wie ich es lange nicht mehr wahrnehmen durfte oder konnte.“
„Dann erzähl doch bitte ausführlicher, damit ich all das nachvollziehen kann. Wie wäre es mit einem Glühwein? Ist nicht ganz so alkohollastig.“
Carla nickt zustimmend und berichtet von den unzähligen Prozesstagen, denen sie beigewohnt hatte, von den Urteilen und von ihrer Blockade weiterhin darüber für die Presse schreiben zu können. „Weißt Du, die Ehe mit Raphael ist auch nicht das, was sie scheint zu sein……“, sie erzählt ihrer Freundin von gefühlter Kälte und einem seelischen Abstand zwischen ihr und Raphael. „Ich habe den Eindruck, dass mein gesamtes Leben nur eine Show war, dass ich nichts wirklich echt, authentisch und aufrichtig gelebt habe. Es war alles nur ein Kartenhaus.“
Beide Frauen schweigen, drehen ihre tönernen Gefäße mit der dampfenden Flüssigkeit in ihren Händen, nippen hin und wieder. Bella steht auf, geht zur Kommode, holt eine Schüssel mit Plätzchen und stellt diese auf den Tisch. Schweigend greifen sie zu, trinken und greifen wieder ein Gebäckstück.
„Ich kenne das Gefühl, das Du beschreibst, Carla. Als ich mich von meinem Mann trennte spürte ich genau diesen Mangel in der Partnerschaft, den Du gerade beschrieben hast. Bei mir reichte es sogar soweit, dass ich Geschirr zerschmiss, weil ich einfach nicht mehr weiter wusste und diesen Stillstand zwischen uns nicht mehr ertragen konnte.“ Bella nippt erneut an ihrem Glühwein. Beide schauen sich in die Augen. „Als ich mich endlich trennte, fühlte ich die Freiheit in mir, fühlte ein Erwachen. Es war unbeschreiblich schön. Ist es das, was Du gerade wahrnimmst?“
Carla versenkt ihren Blick geradezu in den Tonbecher. Dann hebt sie ihren Kopf, nickt und sagt zu ihrer Freundin: „Ja, genau das empfinde ich zur Zeit. Aber nur bei Dir hier. Zuhause fühle ich mich eingesperrt, eingeengt.“
„Dann sollten wir die Stunden nutzen, um zu ergründen, was Dich einengt.“
Bei diesen Worten huscht ein flüchtiges Strahlen über Carlas Gesicht.

Fortsetzung folgt….

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Herzlichst Hermine

Hermine - 14:28:43 @ Eine alte Welt zerfällt | Kommentar hinzufügen